Sonntag, 22. März 2009

Katzentoilette


Mathilde und ihr Katzenklo

"Miiiiiaaaauuuu" tönt es herzerweichend aus der Küche. Es ist fünf Uhr morgens, Mathilde ist wach und ich als Dosenöffner hoch begehrt. Da ich ein gut erzogener Mensch bin, hechte ich aus dem Bett, erreiche mit nackten Füßen die Küche, in der Mathilde mit hocherhobener Rute ihre Kreise zieht. Ich suche verschlafen nach einem Döschen Katzenfutter, als mich ein eiskalter Schreck durchfährt. Meine Füße stehen in etwas kalten, feuchten, ekligem - und das noch vor dem ersten Kaffee! Mathilde hat vor ihre Katzentoilette gemacht. Stöhnend taste ich mich Richtung Lichtschalter, von einer schnurrenden Katze am Bein begleitet. Ich weiß gar nicht, was ich zuerst machen möchte, Katze füttern, streicheln oder würgen?

Da sie über ein immenses Organ verfügt, entscheide ich mich für die nachbarschaftsverträgliche Variante und bereite der nunmehr leise schreienden Katze ihr Frühstück. Gabel herausgekramt, Dose geöffnet, Napf hochgehoben, schnell ausgewaschen, Futter rein, Napf runtergestellt, Katze beglückt, Lappen gesucht, Urin beseitigt, Fliesen des-infiziert und meine Füße gewaschen. Mathilde liegt unterdessen voll gefressen in ihrer Schlafhöhle und beginnt zu schnarchen. Es ist fünf Uhr fünfzehn am Morgen und ich bin wach.


In den nächsten Tagen finde ich überall um ihre Katzentoilette kleine Hinterlassenschaften, sie liegen links, rechts, davor und dahinter- nur nicht darin. Ich erkundige mich im Internet, im Tierheim, bei Katzenprofis und erfahre, dass meine Katzentoilette wohl zu klein sei. Fahre in die Stadt, den Kampf mit der pieselnden Katzendame aufnehmend und kaufe eine größere Toilette.
Voller Anspannung betrete ich wieder ihr Zimmer und wieder sind kleine Urinpfützen, mittlerweile um zwei Toiletten verteilt. Gut, an der Größe scheint es nicht zu liegen. Ich erinnere mich an die verschiedenartigsten Hinweise auf meine verzweifelte Anfrage und variiere nun den Einstreu, klumpenden, nicht klumpenden. Oder ich variiere den Aufstellungsort der Toilette, einmal vor die Heizung, dann im Kühlen, unter die Treppe oder im stillen Eck. Und immer findet diese kluge Katze ihre herumwandernde Toilette und immer macht sie davor.



Da können die Menschen zum Mond fliegen, aber eine Katze einen ordentlichen Toilettengang beibringen? Die nächsten Hinweise auf mögliche Ursachen ihrer Unsauberkeit galten der Psyche. Ob sie womöglich unter Streß steht? Oder eine Veränderung im Umfeld erlebt hat? Gab es ein Familienzuwachs, habe ich andere Arbeitszeiten? Ich grübel und bekomme eine Visitenkarte einer Katzenpsychologin in die Hand gedrückt. Sie wäre, so wird mir gesagt, gut und teuer. Währenddessen habe ich mich mit vielen Handtücher eingedeckt und jene vor die Katzentoilette gelegt. Ja, Mathilde ist eine Katze, die scheinbar Handtücher dem Toiletteneinstreu vorzieht. Noch gebe ich mich nicht geschlagen und kann ihre Marotte nicht akzeptieren. Ich mag weder streng riechende Teppiche in meiner Wohnung noch in kalten Katzenurin morgens ausrutschen. So entschließe ich mich für eine Videoüberwachung, montiere eine Kamera und sitze fernab auf Beobachtung.

Des Rätsels Lösung: Mathilde geht auf die Katzentoilette, wo immer auch ihr Mensch jene hinschleppt. Als alte Katze wundert sie sich sicherlich über mich und wackelt unsicher auf ihren Beinen hinterher. Klettert müde mit dem vorderem rechten Bein herein, dann macht sie eine Pause, zieht das vordere linke Bein dazu, geht einen Schritt, macht eine Pause, und steigt mit den Hinterbeinen ebenso in ihre Katzentoilette. Als alte Dame von dieser Gymnastik erschöpft, sinkt sie schnell in die richtige Hock- Stellung und lässt Urin ab. Leider hängt ihr Hinterteil weit aus der Katzentoilette gestreckt über den Handtüchern und sie pieselt im Klo stehend vor das Klo! Das soll erstmal jemand nachmachen!!!



Nachträglich leiste ich bei Mathilde Abbitte und reiche ihre ein Leckerli zu Versöhnung. Was habe ich Schlimmes über sie gedacht, war der Ansicht, sie mache jenes extra, sie wolle ihren Menschen ärgern. Stattdessen habe ich sie mit den ganzen Versuchen genervt, habe sogar eine psychische Ursache nicht ausgeschlossen. Dabei ist sie einfach nur alt und sieht nicht mehr richtig. Mathilde hat schlichtweg nicht wahrgenommen, dass ihr Hinterteil nicht über der Katzentoilette thronte und so nahm das Unheil seinen Lauf.

Am nächsten Tag kaufe ich eine riesengroße Katzentoilette für die Katzentoilette und stelle die Kleinere mit Streu in die Größere ohne Einstreu, dafür mit Handtücher. Mathilde muss nun über zwei Ränder klettern um endlich pieseln zu dürfen, die Handtücher saugen alles auf und die große Toilette begrenzt den Fluss des Urins. Und da es meiner Katze ein angeborenes Bedürfnis ist, immer ihre Toilette zu benutzen, erscheint die doppelte Rand- Barriere auch gleich als eine kleine Gymnastikstrecke für meine fast zwanzig Jahre alte Seniorin.

Kommentare:

  1. schön mal wieder etwas von euch zu hören.

    Ich habe euch nicht vergessen und am 31.03. bzw 01.04. geht mein Päckchen an euch raus

    ganz liebe knuddelgrüße

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  2. Die Hummel und der Max grüßen Euch auch mal schnell

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  3. Ich bewundere Deine Geduld - unglaublich!!! Welch ein schöner Lebensabend für Mathilde. I.aus Brhv.

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